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Die Zeitung veröffentlicht Der Schuldige — Geschichte & Fakten

Ein Kind sitzt allein, seine übergroßen Holzschuhe und seine blassen, formlosen Kleider kennzeichnen ihn als verletzlich und fehl am Platz. Der Künstler, Théophile Alexandre Steinlen, lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters zuerst auf die riesigen, gequälten Augen des Jungen, die in einem Gesicht sitzen, das viel zu ernst für sein Alter ist. Die Haltung ist geschlossen, defensiv: Knie angezogen, Hände fest verschränkt, als ob die Welt ihn bereits verurteilt hätte.

Hinter ihm ziehen die dunklen, institutionellen Gebäude und die karge Reihe von Bäumen in einen trüben Horizont zurück, deren Formen das Isolation des Jungen widerspiegeln. Die Farbpalette ist gedämpft, nur das Rot des Titels Le Coupable—"Der Schuldige"—bricht die düstere Stimmung und wirft die vermeintliche Schuld des Jungen in grellen, öffentlichen Buchstaben. Dieses Plakat, das 1896 zur Werbung für einen neuen Serienroman von François Coppée geschaffen wurde, ist ein Produkt des goldenen Zeitalters der illustrierten Presse im Paris der Jahrhundertwende. Solche Werke wurden in Auftrag gegeben, um die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen, und verbanden Kunst und Kommerz an den Wänden der Stadt.

Hier ist Steinlens Hand unverkennbar: sein Mitgefühl für die Marginalisierten, seine Fähigkeit, selbst ein kommerzielles Plakat mit sozialem Kommentar zu laden. Gedruckt von Charles Verneau und jetzt in der Bibliothèque nationale de France aufbewahrt, steht dieses Bild sowohl als Werbeartikel als auch als Fenster zu den Ängsten seiner Zeit—als das Schicksal von Kindern, die Maschinerie der Justiz und die Macht der Presse heftig debattiert wurden. Schau dir noch einmal das Gesicht des Jungen an: Ist er wirklich schuldig, oder einfach in eine Geschichte gefangen, die größer ist als er selbst?

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