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Selbstporträt, Kopf geneigt — Geschichte & Fakten

Ein Strahl der Dunkelheit durchschneidet die Komposition und teilt das eigene Abbild des Künstlers in zwei—eine Geste, die ebenso absichtlich wie beunruhigend ist. In Autoportrait, tête inclinée blickt Théophile Alexandre Steinlen aus einer dichten, samtigen Schwärze heraus, mit geneigtem Kopf, der scharfe Weiß seines Kragens und der Glanz seines Schnurrbarts fangen das wenige Licht ein, das vorhanden ist. Der Blick ist schräg, misstrauisch, als ob der Künstler zwischen Selbstprüfung und Rückzug gefangen ist.

Unten taucht eine gespenstische Hand auf, halb geformt, deren Finger sich nach oben krümmen, als wollten sie nach etwas greifen, das gerade außerhalb des Rahmens liegt. Die Teilung auf dem Papier ist kein bloßer Zufall: Sie ist eine Barriere, ein Horizont, eine Trennlinie zwischen Gedanken und Gesten, Geist und Körper. Dieses Werk gehört zu den frühen zwanziger Jahren, einer Zeit, in der Künstler in ganz Europa die Möglichkeiten des Selbstporträts neu erdachten. In Paris, wo Steinlen lebte und arbeitete, war das Selbstporträt nicht nur eine Aufzeichnung, sondern eine Aussage—eine Möglichkeit, die Identität in einer von der Moderne erschütterten Welt zu erkunden.

Die körnige Textur des Kohls und die unvollendete Qualität der Hand sprechen von der Faszination der Epoche für den Prozess und die psychologische Tiefe. Datiert auf 1905 und jetzt im Besitz der Bibliothèque nationale de France, stammt dieses Stück aus einer Zeit, in der Künstler wie Steinlen—besser bekannt für seine lebhaften Straßenszenen und Plakate—nach innen schauten und das Selbstporträt nutzten, um die sich verändernden Grenzen des Selbst zu kartieren. Je länger man verweilt, desto mehr scheint die Dunkelheit mit Fragen zu pulsieren, die keine einfache Antwort haben.

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