Anton von Werner Exitium — Geschichte & Fakten
Eine sterbende Figur, in Blau und Gold gehüllt, steht an der Schwelle zwischen den Welten, sein Blick nicht auf den lebenden Begleiter an seiner Seite gerichtet, sondern auf die geflügelte Frau, die sich ihm mit einem Lorbeerkranz nähert. Das Bett ist überfüllt mit Symbolen: die Statue eines jugendlichen Helden zu Füßen, die verstreuten Papiere, die zu Boden fallen, das monumentale Buch, das von einer zweiten geflügelten Figur offen gehalten wird. Licht strömt über die Szene und macht den Hintergrund zu einem goldenen Feld, als ob das Drama außerhalb der gewöhnlichen Zeit stattfindet.
Der Lorbeer, der über der Stirn des alten Mannes schwebt, ist sowohl ein Versprechen als auch ein Abschied — Ruhm, der im Moment des Abschieds angeboten wird. Dies ist die visuelle Sprache des späten 19. Jahrhunderts, als die Allegorie noch in den Akademien vorherrschte und Künstler wie Anton von Werner Bilder für öffentliche Räume und private Kontemplation schufen. 1872 als Farbskizze für ein Mosaikfries im Palais Pringsheim in Berlin gemalt, destilliert dieses Werk die Faszination der Epoche für das heroische Ende: den sterbenden Intellektuellen oder Künstler, der nicht nur von sterblichen Freunden, sondern auch von den Personifikationen von Ruhm, Geschichte oder Erinnerung begleitet wird.
Solche Bilder wurden oft in Auftrag gegeben, um öffentliche Räume zu erheben, ihr Zweck sowohl didaktisch als auch gedenkwürdig, und erinnerten die Betrachter an die Belohnungen des Erfolgs und die Unvermeidlichkeit der Sterblichkeit. Wenige Spuren des ursprünglichen Kontexts dieser Skizze sind geblieben, aber ihre theatralische Klarheit und symbolische Fülle laden uns ein, innezuhalten und in den Gesichtern nach dem Moment zu suchen, in dem der Lorbeer von der Hand zur Stirn wechselt.
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