Edward Jakob von Steinle - Die Loreley (Entwurf) - 11698 - Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Foto — Geschichte & Fakten
Ein Sirenengesang scheint in der Luft zu hängen, während Ihr Blick die Figur trifft, die über dem Fluss schwebt, ihr Blick irgendwo jenseits der Welt der Sterblichen fixiert. In Die Loreley (Entwurf) beschwört Eduard von Steinle die legendäre Verführerin des Rheins nicht als ein Geschöpf des Melodramas, sondern als eine Vision, die sowohl verführerisch als auch beunruhigend ist. Die blasse Gestalt der Lorelei ist in leuchtende Draperien gehüllt, ihr Haar fließt wie das Wasser selbst, während die Felsen unter ihr das scharfe, stille Bedrohung widerhallen, die sie verkörpert.
Der Pinsel des Malers verweilt auf ihrem Ausdruck—eine Mischung aus Sehnsucht und Warnung—während der Fluss darunter mit einem kalten, fast übernatürlichen Licht funkelt. Jedes Element zieht den Betrachter nach oben, zur Figur und dem Mythos, den sie verkörpert, als ob sie uns einlädt, ihren Namen zu rufen und das Schicksal zu riskieren, das ihre Legende verspricht. 1863 als vorbereitende Aquarell für eine größere Leinwand geschaffen, gehört dieses Werk zu einem Moment, als der deutsche Romantizismus noch von den Geheimnissen des Volksglaubens und der Landschaft heimgesucht wurde. Künstler wie Steinle fühlten sich zu Geschichten hingezogen, die die Grenze zwischen Schönheit und Gefahr verwischten, und die Mäzene suchten Bilder, die sowohl Stolz als auch Unbehagen im Herzen einer neu selbstbewussten Nation weckten.
Heute im Museum Sammlung Schack in München untergebracht, ist diese Skizze ein Zeugnis einer Zeit, in der der Mythos nicht nur erinnert, sondern in die Steine und Gewässer der deutschen Vorstellungskraft gemalt wurde. Der Blick der Lorelei hält uns immer noch fest—furchtbar schön, genau wie der Künstler es beabsichtigte.









