Fine Art

Ein wilder Hengst — Geschichte & Fakten

Was den Betrachter zuerst in Ein wilder Hengst fesselt, ist die schiere Kraft der Präsenz des Tieres: der Kopf nach vorne gestoßen, der Mund weit geöffnet in einem rohen Schrei, die Mähne nach hinten gefegt, als wäre sie von einem plötzlichen Windstoß erfasst worden. Das Auge des Hengstes funkelt mit einer Mischung aus Angst und Trotz, die Nüstern geweitet, die Zähne entblößt—nicht in ruhiger Gelassenheit, sondern in einem Moment wilder Intensität. Die Pinselstriche sind drängend und locker, besonders in der Mähne, die in die Dunkelheit dahinter verschwimmt und sowohl Bewegung als auch den ungezähmten Geist des Wesens andeutet.

Jeder Strich scheint dem Drama dieses Augenblicks zu dienen, die Energie des Tieres kaum von den Rändern der Leinwand gehalten. Das Licht, das die Kurve des Kiefers und den Glanz des Zahnfleisches einfängt, verstärkt das Gefühl der Unmittelbarkeit, als könnte das Pferd in jedem Moment aus den Schatten springen. Um 1888 gemalt, war diese Ölskizze von Albert Bierstadt eine Studie für sein größeres Werk The Last of the Buffalo, eine Zeit, in der amerikanische Künstler mit der verschwindenden Wildnis und dem Schicksal der Kreaturen, die sie durchstreiften, rangen. Solche Skizzen waren nicht für die öffentliche Ausstellung gedacht, sondern als Arbeitswerkzeuge, die flüchtige Gesten oder emotionale Zustände festhielten, die später verfeinert werden könnten.

Im späten 19. Jahrhundert war der amerikanische Westen sowohl ein realer als auch ein mythischer Raum, und Künstler wie Bierstadt lieferten dem Publikum im Osten Bilder seines Dramas und seiner Größe. Heute befindet sich die Skizze in der Whitney Gallery of Western Art, eine Erinnerung an die Faszination der Ära für das Wilde und die eigene Suche des Malers nach dem Puls der ungezähmten Natur.

Hier gibt es etwas Unvollendetes, doch genau diese Rohheit ist es, die das Auge des Betrachters immer wieder zurückkehren lässt, auf der Suche nach der Geschichte hinter dem Schrei des Hengstes.

Mehr Werke von Albert Bierstadt

Mehr Kunst von Tier