Habgier — Geschichte & Fakten
Was zuerst ins Auge fällt an Gier ist die beunruhigende Mischung aus Anziehung und Verfall: eine Frau, deren nackter Busen und fließendes Haar einst Schönheit versprochen haben mögen, deren Züge jedoch nun mit dem Alter hängen und sich verziehen. Ihr listiges, wissendes Lächeln und der feste Griff an ihrem Sack mit Münzen verwandeln sie in ein lebendiges Emblem der Gier. Der rote Stoff rutscht von ihrer Schulter, ein Hauch von Sinnlichkeit, der schnell durch die harte, fast klinische Darstellung ihrer faltigen Haut und knorrigen Hände untergraben wird.
Dürers Pinselstrich verweilt an jeder Makel, jedem vergilbten Zahn und führt den Betrachter dazu, sich nicht nur mit dem Laster des Subjekts auseinanderzusetzen, sondern auch mit der vergänglichen Natur von Jugend und Schönheit. Die Dunkelheit hinter ihr isoliert sie weiter und macht ihre Gier zum einzigen Licht im Nichts. Gemalt im Jahr 1507, gehört dieses Werk zu einem Moment im frühen 16. Jahrhundert in Europa, als Künstler wie Albrecht Dürer moralische Lehren in unvergessliche Bilder verwandelten.
Allegorien von Laster und Tugend – in Auftrag gegeben für private Kontemplation oder öffentliche Warnung – waren ein beliebtes Genre unter humanistischen Sammlern und moralisierenden Mäzenen. In den deutschen Ländern, in denen Dürer arbeitete, begann die Reformation gerade zu brodeln, und Bilder wie dieses sprachen von Ängsten über Reichtum, Korruption und das Schicksal der Seele. Heute wird Gier im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt, eine Erinnerung daran, wie die Renaissance selbst die hässlichsten Wahrheiten in Kunst verwandeln konnte, die sich weigert, ignoriert zu werden.
Schau dir ihr Gesicht noch einmal an: Jede Falte erzählt eine Geschichte über die Kosten des zu festen Festhaltens.
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