Kunsthalle-Bazar Pompeji, Bern 1911 — Geschichte & Fakten
Eine einzelne goldene Figur, hochgehalten von einer Frau in einem weißen und blauen Gewand, zieht alle Blicke im Raum auf sich: ihren, unseren und die der versammelten Gäste, die sich in einer pompejanischen Bankszene zurücklehnen. Das Gemälde, entworfen von Emil Cardinaux als Plakat für den Kunsthalle-Bazar Pompeji von 1911 in Bern, nutzt die Sprache antiker Fresken, um eine Welt von Ritual und Festlichkeit heraufzubeschwören. Die kräftigen Linien und die flachen, leuchtenden Farben erinnern sowohl an die stilisierte Klarheit des Art Nouveau als auch an die archäologischen Entdeckungen, die Europa zu dieser Zeit fesselten.
Die Geste der Frau, die die Statue anbietet, wird zu einer Brücke zwischen den Epochen: ein modernes Schweizer Publikum, das den imaginierten Luxus des antiken Pompeji erblickt. Dieses Bild handelt ebenso von Performance wie von Geschichte. Die Figuren sind mit der Theatralik eines Bühnenbildes angeordnet: eine Frau lehnt sich zurück, mit Essstäbchen in der Hand, während Musiker und Zuschauer sich in einem rhythmischen Prozess aus Blau und Gold gruppieren. Die Girlanden und das scharf konturierte Drapieren flachen den Raum ab und machen jedes Element zu einem Teil eines dekorativen Frieses.
Die Farbpalette ist absichtlich gewählt: Ocker und Indigo rufen sowohl den vulkanischen Boden Süditaliens als auch die modischen Grafiken der frühen Plakate des 20. Jahrhunderts hervor. Die gesamte Szene ist als lebendes Tableau gerahmt und lädt die Zuschauer ein, in eine verlorene Welt einzutreten, genau wie die Bürger von Bern zur Ausstellung selbst eingeladen wurden. Plakate wie dieses waren keine bloßen Werbung; sie waren kulturelle Ereignisse für sich, entworfen, um den Geist eines Moments und die Ambitionen einer Stadt einzufangen, die begierig darauf war, sich der europäischen Avantgarde anzuschließen.
Im Jahr 1911 war die Faszination für Pompeji auf ihrem Höhepunkt, angeheizt durch neue Ausgrabungen und einen Hunger nach der exotischen Vergangenheit. Der Kunsthalle-Bazar versprach Spektakel und Bildung, und Cardinaux’ Werk – nun in einer Schweizer Sammlung bewahrt – bleibt ein Zeugnis für die Mischung aus Wissenschaft, Show und künstlerischer Innovation dieser Ära. Die Einladung steht weiterhin: Schau noch einmal hin und lass das Alte und das Moderne in deiner Vorstellung aufeinandertreffen.
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