Der Tod des Marat: Bedeutung und Bildanalyse
Der Tod des Marat (französisch Marat assassiné, „Der ermordete Marat“) ist ein Ölgemälde des französischen Malers Jacques-Louis David (1748–1825), entstanden 1793, und ein Meisterwerk des Klassizismus. Es zeigt den revolutionären Journalisten Jean-Paul Marat tot in seiner Badewanne, nachdem Charlotte Corday ihn am 13. Juli 1793 getötet hatte. Das Original hängt nicht im Louvre, sondern in den Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien in Brüssel.
- Was es zeigt: Marat, in der Wanne zusammengesunken, mit weißem Turban, die Feder in der rechten Hand und in der linken den Brief, mit dem Charlotte Corday um Einlass bat. Ein blutiges Messer, ein Tintenfass und eine Holzkiste vervollständigen die Szene vor einem leeren Hintergrund.
- Ein Märtyrer der Revolution: Laut Louvre verbindet David Historienbild, religiöses Bild, zeitgenössisches Thema und Porträt. Marats Körper ist von Caravaggios Grablegung Christi (Vatikanische Pinakothek) inspiriert, Leichentuch und Blut erinnern an die Passion.
- Die Holzkiste: Statt an einem Tisch schreibt Marat auf einer grob gezimmerten Kiste, Zeichen der Bescheidenheit, die er predigte. Darauf malte David die Widmung À MARAT, seine Signatur DAVID und das Datum L’AN DEUX („Jahr zwei“); der Louvre liest die Widmung als Zeichen der Freundschaft der beiden.
- Auftrag und erste Präsentation: Der Nationalkonvent gab das Bild am Tag nach dem Mord in Auftrag. David malte es zwischen dem 14. Juli und dem 14. Oktober 1793 und übergab es dem Konvent am 14. November; bis Februar 1795 hing es im Sitzungssaal, als Gegenstück zu seinem heute verschollenen Le Peletier auf dem Totenbett.
- Technik, Maße und Herkunft: Öl auf Leinwand, 165 × 128 cm. Ein Enkel Davids vermachte das Bild 1886 zum Dank für die Gastfreundschaft, die Belgien dem exilierten Maler von 1816 bis zu seinem Tod gewährte; 1893, hundert Jahre nach dem Mord, kam es ins Brüsseler Museum.
Quellen: Sammlungseintrag der Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien (Inv. 3260) · Louvre: „Une icône de la Révolution“ (Ausstellung Jacques-Louis David, 2025–2026) · Defeyt et al., npj Heritage Science 11, 21 (2023) · Louvre-Sammlungseintrag (RF 1945 2, Werkstattreplik) (Datum der Übergabe an den Konvent) · Wikidata Q636537
Fragen und Antworten zum Gemälde
Was bedeutet „Der Tod des Marat“?
David macht aus einem politischen Mord eine Ikone der Revolution. Laut Louvre verbindet das Gemälde Historienbild, religiöses Bild, zeitgenössisches Thema und Porträt: Marats Körper ist von Caravaggios Grablegung Christi inspiriert, Leichentuch und Blut erinnern an die Passion, Messer und Holzblock an die Bildsprache des Martyriums. Das Brüsseler Museum betont, dass David Zimmer und Mörderin weglässt und nur Zeichen für Marats revolutionäre Arbeit (Feder und Papier), seinen Gemeinsinn (den Brief), sein Leiden (das Bad) und seinen Heldentod (das Messer) zeigt.
Quelle: Louvre: „Une icône de la Révolution“ (Ausstellung Jacques-Louis David, 2025–2026) · Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien auf Google Arts & Culture (Text: Frederik Leen, 2001)
Wie hat David das Gemälde aufgebaut?
David beschränkt das Bild auf eine einzige Figur vor einem leeren, mit lockeren, unterschiedlich gerichteten Pinselstrichen (Frottis) gemalten Hintergrund. Eine Studie von 2023 erklärt mit dem Gegenstück, Davids Le Peletier, neben dem das Bild im Konvent hing, warum Marats Körper von links nach rechts liegt. Ihre Infrarotaufnahmen zeigen ein Quadratnetz zur Übertragung der Komposition, zunächst weiter geöffnete Augen und vertauschte Requisiten: Ursprünglich hielt die rechte Hand ein zerknülltes Blatt. Der Brief in der linken Hand trägt lesbar Cordays Bitte, empfangen zu werden.
Quelle: Defeyt et al., npj Heritage Science 11, 21 (2023) · Louvre: „Une icône de la Révolution“ (Ausstellung Jacques-Louis David, 2025–2026) · Wikidata Q636537 (Inschriften)
Hängt das Original im Louvre?
Der Tod des Marat hängt nicht im Louvre, sondern in den Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien in Brüssel (Inventarnummer 3260), die das Bild seit 1893 besitzen; 2023 hing es im Saal des Klassizismus, gegenüber Davids Mars, von Venus entwaffnet (1824). Der Louvre besitzt eine gleich große Replik, 1793–1794 von einem Schüler und Assistenten Davids gemalt (RF 1945 2), die sich nur in der Inschrift auf der Kiste unterscheidet; laut Sammlungseintrag hängt sie in Saal 702 (Salle Daru), Denon-Flügel. Das Original war vom 15. Oktober 2025 bis 26. Januar 2026 an die David-Ausstellung des Louvre ausgeliehen.
Quelle: Sammlungseintrag der Königlichen Museen der Schönen Künste von Belgien (Inv. 3260) · Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien: Ausstellung „The death of Marat“ (2022) · Defeyt et al., npj Heritage Science 11, 21 (2023) (Saal 2023) · Louvre-Sammlungseintrag (RF 1945 2, Werkstattreplik) · Louvre: „Une icône de la Révolution“ (Ausstellung Jacques-Louis David, 2025–2026)
Wer hat Marat ermordet und warum?
Marat wurde von Charlotte Corday ermordet, einer jungen Adligen aus Caen, die die Welt von dem Agitator Marat befreien wollte. Am 13. Juli 1793 um 19.15 Uhr ließ sie sich in sein Zimmer in der Rue des Cordeliers 30 in Paris vorlassen und erstach ihn in der Badewanne, in der er die Schmerzen einer Hautkrankheit linderte. Marat war Journalist, gab seit September 1789 L’Ami du peuple heraus und war Abgeordneter des Nationalkonvents. Corday wurde sofort verhaftet, verurteilt und am 17. Juli 1793 guillotiniert.
Quelle: Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien auf Google Arts & Culture (Text: Frederik Leen, 2001) · Defeyt et al., npj Heritage Science 11, 21 (2023) · Wikidata Q216063 (Charlotte Corday, gestorben am 17. Juli 1793) · Wikidata Q122290 (Jean-Paul Marat)
Zu welcher Epoche gehört Davids Gemälde?
Der Tod des Marat gehört zum Klassizismus: Wikidata ordnet es der Malerei des Klassizismus und der Historienmalerei zu, und das Brüsseler Museum zeigte es 2023 in seinem Saal des Klassizismus. Das Museum betont aber, dass David hier gerade kein antikes Thema wählt, wie man es von einem Klassizisten erwartet, sondern einen zeitgenössischen Helden in zeitgenössischer Umgebung. Es entstand 1793 als Auftrag des Nationalkonvents, mitten in der Revolution.
Quelle: Wikidata Q636537 (Stil, Gattung) · Defeyt et al., npj Heritage Science 11, 21 (2023) (Saal 2023) · Königliche Museen der Schönen Künste von Belgien auf Google Arts & Culture (Text: Frederik Leen, 2001) · Louvre: „Une icône de la Révolution“ (Ausstellung Jacques-Louis David, 2025–2026)
Ist Davids Gemälde gemeinfrei?
Ja. David starb 1825, seine Gemälde sind daher überall frei von Urheberrechten. Eine originalgetreue Fotografie eines gemeinfreien Gemäldes begründet in den USA und in der Europäischen Union kein neues Urheberrecht. Sie können dieses Bild also herunterladen und privat wie kommerziell nutzen. Gemeinfreie Bilder für die kommerzielle Nutzung erklärt, wie.
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