Berliner Börsen-Courier — Geschichte & Fakten
Ein einziger Schwung Blau, scharf gegen das strahlende Creme und Schwarz, zieht den Blick auf den Cloche-Hut einer Frau: modern, gelassen und unverkennbar urban. Ihr Profil, mit klaren Linien und zartem Rosé, steht in perfektem Kontrapunkt zum schattigeren, kantigen Gesicht des Mannes hinter ihr. Beide sind in denselben Akt vertieft: lesen, ihre Blicke konvergieren auf den kräftigen, roten Buchstaben des Berliner Börsen-Courier.
Die Komposition ist ganz Spannung und Balance, die Züge der Figuren fast abstrahiert, ihre Formen geschnitten durch den sich kräuselnden Rand der Zeitung selbst. Der Künstler, Hans Rudi Erdt, lässt die Typografie ebenso viel sprechen wie die Gesichter und macht das Plakat selbst zu einem Gespräch zwischen Wort und Bild, Mann und Frau, öffentlich und privat. Das ist Berlin 1913, eine Stadt, die auf die Moderne zusteuert, wo Plakate wie dieses den Puls der Straße bildeten. Die kommerzielle Kunst erlebte eine Revolution: Plakatstil, oder "Plakatstil", beseitigte Unordnung zugunsten von kühnen Formen und auffälligen Farben.
Beauftragt von Unternehmen, die darauf brannten, die Aufmerksamkeit einer neuen, gebildeten Mittelschicht zu gewinnen, wurden diese Werke von Firmen wie Hollerbaum & Schmidt gedruckt, deren Name diskret am unteren Rand erscheint. Der Berliner Börsen-Courier war eine Tageszeitung für Männer und Frauen, wie der Text stolz erklärt, und Erdts Design macht diese Gleichheit sichtbar. Die Geschichte hat nur wenige Spuren der alltäglichen Plakate bewahrt, die einst Berlin füllten, aber dieses überlebt, ein Fragment einer Welt, in der Zeitungsdruck und modernes Leben untrennbar waren: Schau noch einmal hin und sieh, wie viel Geschichte sich aus einem einzigen Blick entfalten kann.
















