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Selbstporträt mit einem Weinglas — Geschichte & Fakten

Ein Mann steht vor uns, das Glas Wein erhoben, sein Blick ist direkt und fast herausfordernd. Das Licht fängt das Erröten seiner Wange und den Glanz in seinem Auge ein, was sowohl Selbstbeherrschung als auch einen schrägen Humor suggeriert. Der Hintergrund ist einfach, aber aussagekräftig: eine grüne Tür, die mit seinem eigenen Namen, Arnold Böcklin, und dem Jahr 1885 beschriftet ist, als ob der Künstler für einen Moment aus seiner eigenen Legende getreten wäre, um sich selbst ehrlich zu bewerten.

Die Hand auf der Hüfte, das strahlende Weiß seines Hemdes und die sorgfältige Darstellung des Weinglases deuten auf einen Maler hin, der seinen eigenen Wert kennt, sich aber weigert, sich zu ernst zu nehmen. Die Farbpalette ist reich, aber nicht prunkvoll, die Rottöne und Grüntöne verankern die Szene in der Realität statt in der Fantasie. Selbstporträts wie dieses blühten im späten 19. Jahrhundert auf, als Künstler zunehmend das Recht beanspruchten, sich selbst zu definieren – manchmal mit Ironie, manchmal mit Bravour.

Arnold Böcklin war vor allem für seine stimmungsvolle, symbolische Landschaften bekannt, aber hier kehrt er das Genre um und präsentiert sich sowohl als Schauspieler als auch als Publikum. Das Datum der Quelle dieses besonderen Werks, 2018-04-25, und die Angabe als "Eigenes Werk" deuten darauf hin, dass es außerhalb der großen Museumskreise bleibt, ein Stück, dessen Reise größtenteils nicht dokumentiert ist. Doch gerade diese Obskurität lädt uns ein, zu verweilen: In den selbstbewussten Augen und dem erhobenen Glas erhaschen wir sowohl die öffentliche Persona als auch den privaten Witz eines Malers, der die Kraft einer gut erzählten Geschichte kannte.

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