Fine Art

Zwei Fischpfannen — Geschichte & Fakten

Was zuerst ins Auge fällt bei Zwei Fischpfannen ist die unruhige Kollision zwischen Mythos und Schalkhaftigkeit: zwei satyrische Wesen mit Ziegenbeinen und wildem Haar haben ein Wesen gefangen, das weder Fisch noch Frau ist, sondern beides. Die sich windende, hilflose Gestalt der Meerjungfrau ist mitten im Kampf gefangen, ihre Arme nach oben geworfen, das grüne Haar zieht sich ins Wasser. Der Satyr im Vordergrund trifft unseren Blick mit einem weit aufgerissenen, fast schuldbewussten Ausdruck, als wäre er überrascht, beim Handeln ertappt zu werden.

Der andere, mehr in seine Aufgabe vertieft, stützt das Netz mit einem schweren Pfahl, seine Haltung angespannt gegen die felsige Klippe im Hintergrund. Böcklins Pinselstrich verweilt an den Texturen: der Glanz des Schwanzes der Meerjungfrau, das raue Fell der Satyrn, der feuchte Glanz des Wassers, das vom Netz tropft – uns in eine Welt ziehend, in der das Fantastische greifbar, ja sogar unangenehm erscheint. Gemalt im Jahr 1874, gehört dieses Werk zu einem Moment, in dem Künstler in ganz Europa den Mythos nicht als ferne Allegorie, sondern als etwas Dringliches und Gegenwärtiges neu interpretierten, das sowohl beunruhigen als auch erfreuen kann. Das späte 19.

Jahrhundert erlebte eine Wiederbelebung des Interesses an alten Legenden, doch Böcklins Vision ist weit entfernt von der idealisierten Ruhe des neoklassischen Mythos. Seine Satyrn sind irdisch, fast tierisch, ihre Ausdrücke und Gesten leben von Ambiguität – sind sie Jäger, Scherzbolde oder etwas Dunkleres? Das heutige Zuhause des Gemäldes, das Schweitzerisches Institut für Kunstwissenschaften, bewahrt es als ein lebendiges Dokument dieser unruhigen, suchenden Zeit. Wenn Sie erneut hinsehen, fragen Sie sich: Wer ist in diesem verworrenen Moment der wahre Gefangene?

Mehr Werke von Arnold Böcklin

Mehr Kunst von Mythologie