Kunststil · 17.–19. Jahrhundert · Edo (Tokio), Japan
Ukiyo-e: japanische Farbholzschnitte und Malerei
Ukiyo-e ist ein Kunststil der japanischen Kunst – überwiegend Farbholzschnitte, aber auch Gemälde –, der in der Edo-Zeit (1615–1868) in der Stadt Edo, dem heutigen Tokio, entstand. Der Name bedeutet „Bilder der fließenden Welt“: gemeint sind die Vergnügungsviertel und Kabuki-Theater von Edo mit ihren Kurtisanen und Schauspielern und später berühmte Landschaftsansichten. Zu den bekanntesten Meistern des japanischen Farbholzschnitts gehören Katsushika Hokusai, Utagawa Hiroshige, Kitagawa Utamaro, Suzuki Harunobu und Tsukioka Yoshitoshi.
An jedem Blatt arbeiteten vier Leute: ein Verleger, der es plante und verkaufte, der Künstler, der den Entwurf zeichnete, ein Holzschneider, der ihn in Druckstöcke schnitt – im Schnitt zehn bis sechzehn –, und ein Drucker, der jede Farbe auf handgeschöpftes Papier druckte. Japanische Holzschnitte waren billig: Ein Schauspielerbild kostete etwa so viel wie eine Schale Nudeln. Hokusais „Die große Welle vor Kanagawa“, um 1830–1832, ist laut dem Art Institute of Chicago das berühmteste Bild seiner „36 Ansichten des Berges Fuji“.
Unten finden Sie 2.161 Ukiyo-e-Holzschnitte und -Gemälde, alle gemeinfrei und kostenlos herunterzuladen.
Auswahl und Texte: Pavel MazuelasAktualisiert am 5. November 2026
Gehört zu: Kunstepochen und Kunststile der Malerei von der Romanik bis heuteSiehe auch: Japanische Malerei, Chinesische Malerei, Landschaftsmalerei
Alle Ukiyo-e-Holzschnitte und -Gemälde
Landschaften und berühmte Ansichten, Szenen aus dem Alltag, Vögel und Tiere, Geschichte und Legende sowie Bildnisse schöner Frauen und Schauspieler. Alle gemeinfrei und kostenlos herunterzuladen.
Berühmte Ukiyo-e-Holzschnitte
Die bekanntesten japanischen Holzschnitte, von Hokusais „Großer Welle“ bis zu Hiroshiges Regen. Klicken Sie auf ein Blatt, um es aus der Nähe zu sehen und kostenlos herunterzuladen.
Die große Welle vor KanagawaKatsushika Hokusai
Die 53 Stationen des Tōkaidō (Serie; gezeigt: Shōno, heftiger Regen)Utagawa Hiroshige
Südwind bei klarem Himmel (Roter Fuji)Katsushika Hokusai
Abendschauer über der großen Brücke in AtakeUtagawa Hiroshige
Berühmte Gegenden der mehr als 60 Provinzen (Serie; gezeigt: Sagami, Eingang zu den Höhlen von Enoshima)Utagawa Hiroshige
Gewitter unterhalb des Gipfels (Sanka hakuu)Katsushika Hokusai
100 Ansichten des Mondes (Serie; gezeigt: Fujiwara no Yasumasa spielt im Mondschein Flöte)Tsukioka Yoshitoshi
Acht Ansichten des Salons (Serie; gezeigt: Der Faltfächer, klarer Tag)Suzuki Harunobu
32 Ansichten von Sitten und Gebräuchen (Serie; gezeigt: Jemanden treffen wollen)Tsukioka Yoshitoshi
Trocknen und Spannen von StoffKitagawa Utamaro
Schöne Frau mit Dienerin am NeujahrstagKitagawa Utamaro
Südliches TeehausKitagawa Utamaro
Ukiyo-e-Künstler
Neun Meister des japanischen Holzschnitts, von Harunobus ersten Vielfarbendrucken über Hokusai, Hiroshige und Yoshitoshi bis zu Ohara Koson und den neuen Drucken. Jeder Link öffnet alle Werke des Künstlers.
Katsushika Hokusai1760–1849. Begann seine „36 Ansichten des Berges Fuji“ mit 70 Jahren; das Art Institute of Chicago zählt ihn zu den größten Künstlern der japanischen Geschichte. Seine Skizzenbücher, die „Hokusai Manga“, füllten fünfzehn Bände.
Utagawa Hiroshige1797–1858. Weltberühmt, so die Library of Congress, für „Die 53 Stationen des Tōkaidō“ und die „100 berühmten Ansichten von Edo“; Van Gogh kopierte zwei seiner Edo-Ansichten in Öl.
Kitagawa UtamaroUm 1753–1806. Vor allem bekannt für Nahbildnisse schöner Frauen, Bijinga, die die Frauen von Edo kauften, um der neuesten Mode zu folgen, sagt das Cleveland Museum of Art.
Suzuki Harunobu1725?–1770. Gilt weithin als erster japanischer Holzschnittmeister, der jede Farbe von einem eigenen Stock druckte, und schuf so den Vielfarbendruck Nishiki-e, die „Brokatbilder“.
Katsukawa Shunshō1726–1793. Maler und Holzschnittmeister, der das Schauspielerbild in Edo beherrschte, so das Cleveland Museum of Art, und ein wichtiger Lehrer der nächsten Generation, darunter Shunkō, Shunzan und Shun’ei.
Utagawa Kuniyoshi1798–1861. Entwarf Szenen legendärer Helden wie des chinesischen Generals Guan Yu, bemerkt die Library of Congress; in seinen Ansichten von Edo setzte er Schatten nach westlicher Art ein, wie das Cleveland Museum of Art hervorhebt.
Keisai Eisen1790–1848. Teilte sich „Die 69 Stationen des Kisokaidō“ mit Hiroshige, bemerkt das Cleveland Museum of Art; seine verschneite Ansicht des Sumida-Flusses steht in unserer Liste.
Tsukioka Yoshitoshi1839–1892. Veröffentlichte die „100 Ansichten des Mondes“ von 1885 bis 1892; das LACMA besitzt ein vollständiges Album der Serie. Er malte auch, wie seine Kenshin-Rolle in unserer Liste zeigt.
Ohara Koson1877–1945. Vom Museum Kunst & Geschichte in Brüssel unter den Künstlern des Shin hanga genannt, der Erneuerung des Ukiyo-e im frühen 20. Jahrhundert. Die meisten seiner Drucke in unserer Sammlung zeigen Vögel und Blumen.
Hokusais 36 Ansichten des Berges Fuji
Hokusai begann die Serie 1830 mit 70 Jahren, und sie wuchs auf 46 Blätter an; in jedem ist der Fuji die Hauptfigur, nah und fern, zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter, sagt das Art Institute of Chicago. Hier sind sechs weitere Ansichten, vom Fischer über der Brandung bei Kajikazawa bis zu den Reisenden, die bei Ejiri vom Wind überrascht werden.
Kajikazawa in der Provinz KaiKatsushika Hokusai
Ejiri in der Provinz SurugaKatsushika Hokusai
Der Fuji von Kanaya am TōkaidōKatsushika Hokusai
Der Mishima-Pass in der Provinz KaiKatsushika Hokusai
Der Inume-Pass in der Provinz KaiKatsushika Hokusai
Der Goten-yama-Hügel in Shinagawa am TōkaidōKatsushika Hokusai
Hiroshiges 100 berühmte Ansichten von Edo
Hiroshiges Ansichten von Edo, dem heutigen Tokio, im Lauf der Jahreszeiten sind in den Museumskatalogen auf 1856 bis 1858 datiert. Das Art Institute of Chicago nennt den „Pflaumengarten in Kameido“, den Van Gogh 1887 kopierte, eines seiner bekanntesten Motive und den Adler, der über die verschneite Küste von Fukagawa herabstößt, eines der beliebtesten Blätter der Serie.
Shin hanga: die neuen Drucke
Anfang des 20. Jahrhunderts führte der Verleger Watanabe Shōzaburō eine Erneuerung des Ukiyo-e-Holzschnitts an, sagt das Museum Kunst & Geschichte in Brüssel; Landschaften, schöne Frauen sowie Vögel und Blumen blieben seine Themen. Das Museum für Ostasiatische Kunst Köln findet die neuen Landschaften impressionistischer als ihre Vorläufer aus der Edo-Zeit, aufgebaut aus feinen Farbnuancen. Hier sind Ansichten von Hashiguchi Goyō und Vögel von Ohara Koson.
Merkmale des Ukiyo-e

Ein Druckstock für jede Farbe
Jede Farbe dieses Blattes kam von einem eigenen geschnittenen Druckstock; die Stöcke wurden nacheinander passgenau gedruckt. Das Cleveland Museum of Art nennt Harunobu als ersten japanischen Holzschnittmeister, der so arbeitete, und das Art Institute of Chicago datiert diese Serie in die Jahre, in denen der Vielfarbendruck aufkam; man nannte solche Blätter Nishiki-e, Brokatbilder.
Acht Ansichten des Salons (Serie; gezeigt: Der Faltfächer, klarer Tag), Suzuki Harunobu

Schönheiten nach der neuesten Mode
Utamaro schneidet die beiden Frauen an der Hüfte ab und füllt das Blatt mit Gesichtern, Frisuren und Gewändern. Nahbildnisse schöner Frauen waren seine Spezialität, sagt das Cleveland Museum of Art, und die Frauen von Edo kauften sie, um die neuesten Frisuren zu verfolgen – so wie man heute Modezeitschriften kauft.
Schöne Frau mit Dienerin am Neujahrstag, Kitagawa Utamaro

Immer wieder der Fuji
Hier ist der Berg alles; in der „Großen Welle“ ist er ein Punkt in der Ferne. In Hokusais „36 Ansichten“ ist der Fuji die Hauptfigur jeder Szene, bemerkt das Art Institute of Chicago: nah und fern, aus allen Richtungen, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.
Südwind bei klarem Himmel (Roter Fuji), Katsushika Hokusai

Berliner Blau
Das tiefe Blau der Welle ist Berliner oder Preußischblau, ein Pigment, das gerade erschwinglich geworden war, als Hokusai die Serie schuf. Er setzte es in den „36 Ansichten“ großzügig für Himmel und Wasser ein, so das Art Institute of Chicago.
Die große Welle vor Kanagawa, Katsushika Hokusai

Wetter zum Spüren
Hiroshiges Geschick, das Wetter einzufangen, zeigt sich in seinen Ansichten, sagt das Cleveland Museum of Art. Für dieses Unwetter wurden drei Grautöne von drei eigenen Stöcken gedruckt, sodass der Bambus im Regen nach hinten zu verblassen scheint.
Die 53 Stationen des Tōkaidō (Serie; gezeigt: Shōno, heftiger Regen), Utagawa Hiroshige

Flächige Farbe, kühne Komposition
Kräftige Umrisse, flächige, leuchtende Farben und ein steiler, angeschnittener Blick auf die Brücke. Die Tate zählt die Flächigkeit, die leuchtenden Farben und die Stilisierung japanischer Holzschnitte zu den Eigenschaften, die die westliche Malerei seit dem Impressionismus veränderten, und Van Gogh kopierte genau dieses Blatt 1887.
Abendschauer über der großen Brücke in Atake, Utagawa Hiroshige
Vor und nach dem Ukiyo-e
Japanische Malerei10.–19. Jh.
Ukiyo-e (japanischer Farbholzschnitt)17.–19. Jh.
Impressionismusum 1867–1886
Postimpressionismusum 1886–1905
Jugendstil1890er–1914
Ukiyo-e im Vergleich mit japanischer Malerei und Impressionismus
| Vergleich | Japanische Malerei | Ukiyo-e | Impressionismus |
|---|---|---|---|
| Zeitraum | 10.–19. Jh. | 17.–19. Jh. | um 1867–1886 |
| Technik | Tusche und leuchtende Pigmente auf Stellschirmen, Schiebetüren und Rollbildern | Meist Farbholzschnitte, auch Gemälde und Bilderbücher | Ölfarbe, oft im Freien |
| Themen | Klassische höfische Erzählungen, Natur im Jahreslauf, Landschaften | Kurtisanen, Kabuki-Schauspieler und später berühmte Landschaftsansichten | Wechselndes Licht und flüchtige Momente des modernen Lebens |
| Berühmtes Beispiel | Hasegawa Tōhaku, Kiefernwald | Hokusai, Die große Welle vor Kanagawa | Monet, Impression, Sonnenaufgang |
| Wichtige Künstler | Tosa Mitsunobu, Kano Tan’yū, Ogata Kōrin | Hokusai, Hiroshige, Utamaro, Harunobu | Monet, Renoir, Degas |
Ukiyo-e-Holzschnitte und ihre Künstler
Die berühmten Ukiyo-e-Holzschnitte: wer sie entwarf, wann, und welches Museum den gezeigten Abzug besitzt.
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| Gemälde | Gemalt von | Jahr | Technik | Maße | Standort | Stadt |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Die große Welle vor Kanagawa | Katsushika Hokusai | um 1830–1832 | Holzschnitt; Tusche und Farben auf Papier | 25,7 × 37,9 cm | Metropolitan Museum of Art | New York |
| Die 53 Stationen des Tōkaidō (Serie; gezeigt: Shōno, heftiger Regen) | Utagawa Hiroshige | um 1833–1834 | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 24,2 × 36,2 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Südwind bei klarem Himmel (Roter Fuji) | Katsushika Hokusai | um 1830–1832 | Farbholzschnitt | 25,7 × 38,1 cm | Indianapolis Museum of Art | Indianapolis |
| Abendschauer über der großen Brücke in Atake | Utagawa Hiroshige | 1857 | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 37 × 25,4 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Berühmte Gegenden der mehr als 60 Provinzen (Serie; gezeigt: Sagami, Eingang zu den Höhlen von Enoshima) | Utagawa Hiroshige | 1853 | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 37 × 25,3 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Gewitter unterhalb des Gipfels (Sanka hakuu) | Katsushika Hokusai | 1829–1833 | Farbholzschnitt | 25,4 × 37,5 cm | Rijksmuseum | Amsterdam |
| 100 Ansichten des Mondes (Serie; gezeigt: Fujiwara no Yasumasa spielt im Mondschein Flöte) | Tsukioka Yoshitoshi | 1888 | Farbholzschnitt | 34,1 × 23,3 cm (Blatt) | Los Angeles County Museum of Art (LACMA) | Los Angeles |
| Acht Ansichten des Salons (Serie; gezeigt: Der Faltfächer, klarer Tag) | Suzuki Harunobu | 1765–1766 | Farbholzschnitt; Chūban-Format | 28,8 × 21,7 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| 32 Ansichten von Sitten und Gebräuchen (Serie; gezeigt: Jemanden treffen wollen) | Tsukioka Yoshitoshi | 1888 | Farbholzschnitt | 37,3 × 25,4 cm (Blatt) | Los Angeles County Museum of Art (LACMA) | Los Angeles |
| Trocknen und Spannen von Stoff | Kitagawa Utamaro | um 1796–1797 | Farbholzschnitt; Ōban-Format, linkes Blatt eines Triptychons | 38,5 × 25,8 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Schöne Frau mit Dienerin am Neujahrstag | Kitagawa Utamaro | um 1800 | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 37,3 × 24,4 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Südliches Teehaus | Kitagawa Utamaro | Undatiert (vor 1806) | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 38,3 × 25,9 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Ōmori, aus „Berühmte Orte der östlichen Hauptstadt“ | Utagawa Kuniyoshi | frühe 1830er-Jahre | Farbholzschnitt | 23,9 × 34,2 cm | Cleveland Museum of Art | Cleveland |
| Schnee in Tsukahara auf der Insel Sado, 1271 | Utagawa Kuniyoshi | um 1835 | Farbholzschnitt | 22,1 × 33,8 cm | Los Angeles County Museum of Art (LACMA) | Los Angeles |
| Ein Fächerhändler zeigt einer jungen Frau seine Ware | Suzuki Harunobu | um 1765–1770 | Farbholzschnitt; Chūban-Format | 27,5 × 20,2 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Am Bambushain vorbei | Suzuki Harunobu | 1766 | Farbholzschnitt; Chūban-Format, Surimono | 29,9 × 21 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Kenshin, aus „Zwölf Ansichten des Mondes“ | Tsukioka Yoshitoshi | 1885–1892 | Hängerolle; Tusche und Farben auf Seide | 105,5 × 40,7 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Laternenträger, aus „Das Fest des Kanda-Schreins“ | Torii Kiyonaga | 1779 | Farbholzschnitt; Chūban-Format, Nishiki-e | 26,1 × 19,8 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Die Kurtisane Tōji aus dem Ogiya mit ihren Begleiterinnen Satoji und Uraji | Torii Kiyonaga | 1784 | Farbholzschnitt; Ōban-Format | 36,6 × 26,1 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Das Kartenspiel | Utagawa Toyokuni I | um 1790 | Farbholzschnitt; Ōban-Triptychon | 37 × 74,3 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Ferne Schneeansicht am Sumida-Fluss in Edo | Keisai Eisen | frühe 1830er-Jahre | Farbholzschnitt | 21,6 × 34,8 cm (Blatt) | Cleveland Museum of Art | Cleveland |
| Die Yatsuhashi-Brücke in der Provinz Mikawa, aus „Die Geschichten von Ise in modischen Brokatbildern“ | Katsukawa Shunshō | um 1772–1773 | Farbholzschnitt; Koban-Format | 22,8 × 16,1 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Parodie auf Yuranosuke im Vergnügungsviertel | Chōbunsai Eishi | um 1796 | Farbholzschnitte; Ōban-Triptychon | 39,1 × 77 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Abendkühle an der Ryōgoku-Brücke (Perspektivbild) | Okumura Masanobu | um 1740 | Handkolorierter Holzschnitt (Beni-e); Ōban im Querformat | 44,6 × 65,5 cm | Art Institute of Chicago | Chicago |
| Vergnügen bei der Schneeschau | Utagawa Toyoharu | um 1771 | Farbholzschnitt; großes Ōban-Format | 38,9 × 25,5 cm (Blatt) | Art Institute of Chicago | Chicago |
Ukiyo-e: Fragen und Antworten
Was ist Ukiyo-e?
Ukiyo-e bedeutet „Bilder der fließenden Welt“: So heißen die Holzschnitte und Gemälde, die vom 17. bis zum 19. Jahrhundert für die Stadtbewohner von Edo, dem heutigen Tokio, entstanden. Die Library of Congress übersetzt das Wort mit Bildern der fließenden oder auch leidvollen Welt; gemeint war das zugelassene Vergnügungsviertel Yoshiwara mit Kabuki-Theatern, Restaurants und Straßenunterhaltung, wo Standesgrenzen zurücktraten. Getragen wurde Ukiyo-e von den Kaufleuten, die trotz ihres Reichtums gesellschaftlich tief standen und in der Kunst mit der Elite gleichziehen konnten. Das Kunstvokabular des Getty beschreibt Ukiyo-e als Gattung der Malerei und anderer Techniken, vor allem des Holzschnitts.
Quellen: Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e (Überblick) · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beauties, Actors and Landscapes · Getty AAT: Ukiyo-e
Was sind die Merkmale des Ukiyo-e?
Ukiyo-e erkennt man an kräftigen Umrissen, flächigen, leuchtenden Farben und kühnen, oft angeschnittenen Kompositionen, gedruckt von geschnittenen Holzstöcken. Seine Themen waren Mode und Vergnügen der Stadt: schöne Frauen, Kabuki-Schauspieler und ab dem 19. Jahrhundert berühmte Ansichten und Reiseszenen. Die Tate nennt die Flächigkeit, die leuchtenden Farben und die starke Stilisierung japanischer Holzschnitte, verbunden mit realistischen Themen, als die Eigenschaften, die die westliche Malerei seit dem Impressionismus veränderten. Für seine „36 Ansichten des Berges Fuji“ verwendete Hokusai zudem reichlich Berliner Blau, ein gerade erschwinglich gewordenes Pigment, bemerkt das Art Institute of Chicago.
Quellen: Tate: Japonisme · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beauties, Actors and Landscapes · Art Institute of Chicago: Under the Wave off Kanagawa
Wie wurden japanische Farbholzschnitte hergestellt?
Ein japanischer Farbholzschnitt entstand im Team aus vier Beteiligten: Verleger, Entwerfer, Holzschneider und Drucker. Laut der Library of Congress zeichnete der Künstler den Entwurf, der Schneider übertrug ihn auf Holzstöcke – in der Edo-Zeit im Schnitt zehn bis sechzehn –, und der Drucker druckte jede Farbe auf handgeschöpftes Papier; der Verleger koordinierte die Arbeit und verkaufte die Blätter. Die frühesten Drucke waren nur schwarz; der Druck in vielen Farben kam um die Mitte des 18. Jahrhunderts auf, und das Cleveland Museum of Art nennt Suzuki Harunobu als Ersten, der jede Farbe von einem eigenen Stock druckte.
Quellen: Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e (Überblick) · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Early Masters · Cleveland Museum of Art: Harunobu, Young Woman Looking at a Pot of Pinks
Wann entstand Ukiyo-e?
Ukiyo-e entstand im 17. Jahrhundert und blühte während der ganzen Edo-Zeit (1615–1868), als die Tokugawa-Shogune von Edo, dem heutigen Tokio, aus regierten; späte Meister wie Yoshitoshi arbeiteten bis in die 1890er-Jahre. Die Library of Congress datiert die frühesten Drucke auf etwa 1600, den Mehrfarbendruck auf die Mitte des 18. Jahrhunderts und den Aufstieg der Landschaft zur beliebten Gattung auf das 19. Jahrhundert. Anfang des 20. Jahrhunderts führte der Verleger Watanabe Shōzaburō eine Erneuerung der alten Technik an, Shin hanga, die „neuen Drucke“, so das Museum Kunst & Geschichte in Brüssel.
Quellen: Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Early Masters · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beauties, Actors and Landscapes · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e (Überblick) · Museum Kunst & Geschichte (Brüssel): Shin hanga · LACMA: One Hundred Aspects of the Moon (Album) · Getty AAT: Ukiyo-e
Wer sind die bekanntesten Ukiyo-e-Künstler?
Die bekanntesten Ukiyo-e-Künstler sind Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige, die Meister der Landschaft, Kitagawa Utamaro, berühmt für schöne Frauen, Tōshūsai Sharaku mit seinen Kabuki-Schauspielern und Suzuki Harunobu, der Wegbereiter des Vielfarbendrucks. Laut der Library of Congress führten Hokusai und Hiroshige die Landschaft im Ukiyo-e zu einem Höhepunkt; das Cleveland Museum of Art zählt Harunobu zu den gefeiertsten Ukiyo-e-Künstlern überhaupt, und das Art Institute of Chicago bemerkt, dass Sharaku sein gesamtes Werk kühner Schauspielerbildnisse in etwa zehn Monaten 1794–1795 schuf.
Quellen: Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beauties, Actors and Landscapes · Cleveland Museum of Art: Harunobu, Young Woman Looking at a Pot of Pinks · Cleveland Museum of Art: Utamaro, The Flirtatious Type · Art Institute of Chicago: Sharaku, Bando Mitsugoro II as Ishii Genzo
Welcher Ukiyo-e-Künstler ist fast 100-mal umgezogen?
Das war Katsushika Hokusai, der Schöpfer der „Großen Welle vor Kanagawa“. Er soll in seinem Leben 93-mal umgezogen sein, schreibt die Stadtregierung von Tokio; nach traditioneller japanischer Zählung wurde er 90 Jahre alt, und die meisten seiner Wohnungen lagen im heutigen Tokioter Bezirk Sumida. Rastlos war er auch als Künstler: Seine „36 Ansichten des Berges Fuji“ begann er erst 1830, mit 70 Jahren, und das Art Institute of Chicago zählt ihn zu den größten Künstlern der japanischen Geschichte.
Quellen: Stadtregierung Tokio (TOKYO UPDATES): The Great Wave: an Artwork that Connects Japan and the World · Art Institute of Chicago: Under the Wave off Kanagawa
Was ist der berühmteste japanische Holzschnitt?
Der berühmteste japanische Holzschnitt ist Katsushika Hokusais „Die große Welle vor Kanagawa“, um 1830–1832 – das Bild, das viele einfach als die japanische Welle kennen. Nach unserer Zählung hat es Enzyklopädieartikel in 62 Sprachen, mehr als jedes andere Ukiyo-e-Motiv, das wir geprüft haben, und das Art Institute of Chicago nennt es das berühmteste Bild aus Hokusais „36 Ansichten des Berges Fuji“. Von der „Großen Welle“ sind viele Abzüge erhalten; der gezeigte Abzug befindet sich im Metropolitan Museum of Art in New York.
Quellen: Art Institute of Chicago: Under the Wave off Kanagawa · Metropolitan Museum of Art
Ist Ukiyo-e Malerei oder Druckgrafik?
Beides, doch die Holzschnitte sind weit bekannter. Das Kunstvokabular des Getty beschreibt Ukiyo-e als Gattung der Malerei und anderer Techniken, vor allem aber des Holzschnitts. Viele Entwerfer von Drucken malten auch: Yoshitoshis „Kenshin“ in unserer Liste ist eine mit Tusche und Farben auf Seide gemalte Hängerolle, heute im Art Institute of Chicago. Gedruckte Bilderbücher, Ehon, waren eine weitere wichtige Form, bemerkt die Library of Congress; sie besitzt drei vollständige Ausgaben von Hokusais Skizzenbüchern, der „Hokusai Manga“.
Quellen: Getty AAT: Ukiyo-e · Art Institute of Chicago · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e (Überblick) · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Images and Literary Sources
Warum zeigen so viele Ukiyo-e-Drucke schöne Frauen und Kabuki-Schauspieler?
Schöne Frauen und Kabuki-Schauspieler waren die Stars der fließenden Welt von Edo, und ihre Bilder verkauften sich wie Starporträts. Laut der Library of Congress zeigten die Bilder schöner Frauen, Bijinga, zuerst hochrangige Kurtisanen, später Geishas, Bürgersfrauen und Romanheldinnen, stets in der neuesten Mode und Frisur; Schauspielerbilder erschienen zu bestimmten Aufführungen, wurden billig als Andenken verkauft und machten Schauspieler zu kulturellen Ikonen. Das Cleveland Museum of Art vergleicht Bilder berühmter Schönheiten mit heutigen Modezeitschriften. Sharaku setzte seine Schauspieler vor dunkle Glimmergründe, um ihre Posen noch dramatischer wirken zu lassen, so das Art Institute of Chicago.
Quellen: Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Beauties, Actors and Landscapes · Cleveland Museum of Art: Utamaro, „Takigawa of the Ōgiya“ · Art Institute of Chicago: Sharaku, Bando Mitsugoro II as Ishii Genzo
Was ist Japonismus, und wie beeinflusste Ukiyo-e die europäische Kunst?
Japonismus heißt die Begeisterung für japanische Kunst, die den Westen erfasste, nachdem Japan sich in den 1850er-Jahren dem Handel wieder geöffnet hatte. Ihre Wirkung war laut der Tate fast unermesslich: Flächigkeit, leuchtende Farben und Stilisierung der japanischen Holzschnitte prägten die moderne Malerei seit dem Impressionismus und Designbewegungen wie den Jugendstil. Vincent van Gogh sammelte japanische Drucke und malte 1887 Kopien zweier Blätter Hiroshiges, „Pflaumengarten in Kameido“ und „Abendschauer über der großen Brücke in Atake“. Nach einer Ausstellung japanischer Drucke in Paris 1890 schuf Mary Cassatt Farbdrucke, die die Library of Congress zu den Marksteinen des Japonismus zählt.
Quellen: Tate: Japonisme · Van Gogh Museum: Flowering Plum Orchard (nach Hiroshige) · Van Gogh Museum: Bridge in the Rain (nach Hiroshige) · Library of Congress: The Floating World of Ukiyo-e, Japan and the West
Wo kann man japanische Holzschnitte in Deutschland und Österreich sehen?
Eine der großen Sammlungen im deutschsprachigen Raum besitzt das MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien: rund 4.200 japanische Farbholzschnitte von etwa 200 Künstlern, vom späten 17. bis ins 20. Jahrhundert; das Museum zählt sie zu den bedeutenden Ukiyo-e-Sammlungen Europas. In Berlin stellt das Museum für Asiatische Kunst im Humboldt Forum seine bedeutende Grafiksammlung, vor allem japanische Holzschnitte, in stets neuen Wechselausstellungen vor. Das Museum für Ostasiatische Kunst Köln hat nach mehr als 100 Jahren seine japanischen Farbholzschnitte und Bücher erstmals zusammenhängend gesichtet. Viele der berühmten Blätter in unserer Liste gehören dem Art Institute of Chicago.
Quellen: MAK – Museum für angewandte Kunst (Wien): Sammlung Asien · Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Asiatische Kunst: Ostasiatische Kunstsammlung · Museum für Ostasiatische Kunst Köln: Das gedruckte Bild · Art Institute of Chicago
Sind Ukiyo-e-Holzschnitte gemeinfrei und kostenlos herunterzuladen?
Ja. Alle Künstler, deren Ukiyo-e-Holzschnitte wir zeigen, starben spätestens 1945; ihre Werke sind daher in den USA gemeinfrei und ebenso in Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers endet. Sie können die Bilder kostenlos herunterladen und für jeden Zweck nutzen, auch kommerziell. Einige Länder haben eigene Regeln für Fotografien von Kunstwerken; prüfen Sie diese, wenn Sie außerhalb der USA veröffentlichen.
Quellen: Cornell University Library: Copyright Term and the Public Domain
So haben wir die berühmten Holzschnitte ausgewählt
Die berühmten Holzschnitte sind die weltweit bekanntesten Ukiyo-e-Motive, gemessen an der Zahl der Sprachen, in denen eine Enzyklopädie einem Motiv einen eigenen Artikel widmet (Stand: November 2026). Wir zählen den Ruhm pro Motiv, nicht pro Blatt: Von den meisten Holzschnitten sind viele Abzüge erhalten, deshalb zeigen wir einen guten Abzug und nennen das Museum, das ihn besitzt. Wo die Enzyklopädien über eine ganze Serie statt über ihre einzelnen Blätter schreiben, etwa über Hiroshiges „Die 53 Stationen des Tōkaidō“ oder Yoshitoshis „100 Ansichten des Mondes“, zählen wir die Serie einmal und zeigen ein Blatt daraus. Kein Künstler ist mit mehr als drei Werken vertreten; deshalb erscheinen Hiroshiges „Pflaumengarten in Kameido“ und die meisten von Hokusais „36 Ansichten des Berges Fuji“ weiter unten in eigenen Reihen.
Die meisten Einzelblätter haben keinen eigenen Enzyklopädieartikel. Bei ihnen richteten wir uns nach der Bekanntheit des Künstlers, dann nach dem Datum, und wir nahmen nur Abzüge auf, deren Museum wir im eigenen Katalogeintrag des Hauses bestätigen konnten. Weggelassen haben wir erotische Drucke, Aufnahmen, die die Montierung einer Rolle oder einen Rahmen zeigen, und einige berühmte Motive, die noch nicht in unserer Sammlung sind. Ein Werk, Yoshitoshis „Kenshin“, ist kein Holzschnitt, sondern eine Malerei auf Seide.
Daten, Maße und Standorte stammen aus den Katalogen der Museen und aus Wikidata.
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